Ellenbogendysplasie

Ellenbogendysplasie (ED) ist der Überbegriff für verschiedene Krankheitsbilder, bei denen es während der Entwicklung zu einer Miss- beziehungsweise Fehlbildung im Ellenbogengelenk kommt.

Die Ellenbogendysplasie definiert sich durch das Bestehen von Arthrose und/oder einer der folgenden Grunderkrankungen, auf die ich im Folgenden noch etwas näher eingehen werde:

  • der Osteochondrose und Osteochondrosis dissecans (OCD)
  • dem fragmentierten Processus coronoideus medialis ( FPCM)
  • dem isolierten Processus anconaeus (IPA)

außerdem zum Beispiel auch durch die Möglichkeit einer Passungenauigkeit, der sogenannten Gelenkinkongruenz (INC).

Bei der Ellenbogendysplasie, von der Rüden eher betroffen sind als Hündinnen, ist die genaue Ursache noch nicht geklärt. Man vermutet hormonelle und genetische Einflüsse, ebenso zu schnelles Wachstum. Auch die Form des Gelenks sowie die Beeinflussung der Gelenkfläche durch Unfallgeschehen und Überbeanspruchung kommen in Frage.

OCD

Das Wachstum der Knochen findet unter anderem auch an den Wachstumsfugen (Epiphysenfugen) statt. Zum einen entsteht an der Gelenkoberfläche der sogenannte hyaline Knorpel, zum anderen findet in tieferen Schichten der Umbau von Knorpel- zu Knochenzellen statt, die den unterhalb des Knorpels liegenden Knochen bilden. Eine Störung dieses Umbauprozesses bewirkt, dass mehr Knorpel gebildet wird, als zu Knochen umgebaut werden kann. Dadurch kommt es zu einer Verdickung der Knorpelschicht. Diese kann nicht mehr vollständig versorgt werden, wodurch es zum Absterben (Nekrotisieren) einzelner Knorpelzellschichten kommt. Diesen Zustand nennt man Osteochondrose (OCD).

Auf Grund der Nekrose dieser Zellen ist der Knorpel nicht mehr fest mit dem darunter liegenden Knochen verbunden, was zum Ablösen einer Knorpelschuppe führen kann, die man als Osteochondrosis dissecans bezeichnet. Diese kann wachsen, nachträglich verkalken, an dem Ort der Ablösung bleiben oder wandern, wobei man dann von einer Gelenkmaus spricht. In jedem Fall werden Abbauprodukte der abgestorbenen Knorpelzellen freigesetzt, gelangen an die Innenauskleidung der Gelenkkapsel und führen hier zu einer Entzündung mit Schmerzen im Gelenk. Erst jetzt tritt Lahmheit auf. Wird die Ursache der Erkrankung nicht behandelt, bleibt die Entzündung bestehen und wird chronisch. In der Folge entwickelt sich eine Arthrose.

Man erkennt die klinische Symptomatik oft erst zwischen dem 4. und 7. Lebensmonat des Hundes und in der Regel dann auch erst nach Ablösen der Knorpelschuppe. In seltenen Fällen kann die OCD durch Verklebung auch spontan ausheilen. Häufiger als am Ellenbogen findet man die OCD im Schultergelenk, weniger häufig am Sprung- und Kniegelenk, sehr selten am Hüftgelenk.

FPC (FPCM)

Am Ellenbogengelenk befinden sich der äußere und der innere Kronenfortsatz, der Processus coronoideus lateralis und medialis, der die Stabilität des Ellenbogens in der Streckung unterstützen. Die Ursache des fragmentierten Processus coronoideus medialis kann zum einen eine Störung während dessen Verknöcherung sein, die unter Belastung zur Knorpelveränderung, Rissbildung oder Absplitterung führt. Zum anderen kann auch in den Wachstumsfugen die Verknöcherung der Knorpelzellen verzögert sein, wodurch Elle (Ulna) und Speiche (Radius) unterschiedlich schnell wachsen. Der Radius bleibt im Wachstum zurück (Short-Radius-Syndrom) und artikuliert nicht mehr mit dem Oberarm (Humerus), wodurch der Proc. coronoideus medialis übermäßig stark belastet wird und frakturiert.

Die FPC tritt häufig bei Hunden im Wachstumsalter von 2 – 5 Monaten und besonders bei Rüden auf. Das klinische Bild der FPC variiert sehr stark. Es besteht eine leichte bis hochgradige Lahmheit, abhängig von der Größe des Fragments, der Aktivität des Hundes und der Dauer der Erkrankung. Wenn beide Ellenbogen betroffen sind, so kann man ab dem 4. Lebensmonat eine intermittierende Lahmheit feststellen. Diese tritt vielfach nach stärkerer Belastung auf und ist öfters wechselseitig. Typisch ist eine Entlastung des inneren Teils des Ellenbogens. Dabei werden die Pfote leicht nach außen und das Ellenbogengelenk körpernah gehalten.
Bei älteren Patienten sind die Symptome ausgeprägter und gehen oft mit einer Gelenkschwellung auf der inneren, zum Teil auch auf der äußeren Seite einher.

IPA

Am oberen Ende der Elle ( Ulna ) befindet sich ein Knochenfortsatz, der Processus anconeus. Seine Wachstumsfuge sollte im Alter von 16 bis 20 Wochen geschlossen sein. Ist dies nicht der Fall, so liegt das Krankheitsbild eines Processus anconeus isolatus vor. In der Mehrheit der Fälle liegt es aber an einem verzögerten Längenwachstum der Elle gegenüber der Speiche. Man nennt das das Short-Ulna-Syndrom. Es kommt zu einer Überbelastung des Processus und der Fugenschluss wird dadurch verhindert. Als Symptom kann man eine leichte bis hochgradige Lahmheit vor allem nach Ruhepausen, aber auch nach Anstrengung feststellen. Beim Belasten und bei der Vorwärtsbewegung wird das Ellenbogengelenk leicht nach außen rotiert. Gelenkschwellung, als Folge arthrotischer Veränderungen, Schmerzhaftigkeit beim Strecken und Überstrecken sowie Krepitation (Knirschen) im Ellenbogengelenk können festgestellt werden.

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